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Mahnwache für Kinderheim offenbart große Unterstützung in der Bevölkerung

am . Veröffentlicht in Aktuelle Nachrichten

Arne Bruhn mit seinem Kreuz vor der Tür des Hamburger Mariendoms.

2. Mahnwache vor dem Mariendom in Hamburg +++ viel Zuspruch aus der Bevölkerung +++ Kinder und Jugendliche im St. Franziskus-Kinderheim bangen unverändert um ihr Zuhause, auch zu Ostern.

Bei der 2. Mahnwache, die der 76jährige Arne Bruhn vor dem Hamburger Mariendom abhielt, war es nicht nur kalt. Auch die Gefühlskälte vieler Verantwortlicher in der katholischen Kirche ließ Mensch schaudern. Und während die Bewohner des Kinderheims auf Nordstrand weiterhin bangen müssen, ließen es sich die Würdenträger der Kirche gut gehen. Wenn die Nächstenliebe ans Kreuz genagelt wird ...

Ostersonntag, 5.30 Uhr: Es war bitterkalt! Zu einer Zeit, in der andere Menschen noch genüsslich schlafen, stand Arne Bruhn bereits mit seinem schweren Kreuz vor dem Hamburger Mariendom. "Brüderlichkeit" steht auf der senkrechten Seite des Holzkreuzes, "Nächstenliebe" auf der Querseite. Doch nicht nur das Holz war schwer, viel schwerer noch wog die Bürde, die sich der 76jährige Bruhn damit auf seine Schultern geladen hatte: das Leid, das den Bewohnern und Mitarbeitern des St. Franziskus-Kinderheimes auf Nordstrand seit Ende Januar angetan wird. Die Caritas als Träger will die Einrichtung schließen, das Erzbistum Hamburg als Eigentümer der Immobilie unterstützt und fordert diese Entscheidung.

Dass das Verhalten der katholischen Kirche in der Bevölkerung auf Unverständnis stößt, war deutlich spürbar: Dieses Mal hatte Herr Bruhn zusätzlich zum Kreuz und der Bereitschaft zum Gespräch mit den Passanten auch Handzettel zum Verteilen in seinem Gepäck mit dabei. Und so kamen viele Kirchengänger an die wichtigen Informationen über den Umgang der Kirche mit Kindern in besonders schweren Lebenslagen.

Bereits letzten Sonntag stand Herr Bruhn mit seinem Kreuz vor dem Mariendom. Da hatte ihn der neue Erzbischof Dr. Stefan Heße freundlich eingeladen in den Gottesdienst. Doch dieses Mal erhielt der 76jährige Mann keine persönliche Einladung. Stattdessen nickte der Bischof ihm nur kurz zu auf seinem Weg in die Kirche. Um 6 Uhr begann die Andacht. Draußen, vor der Tür, fror Arne Bruhn, während drinnen die österliche Botschaft verkündet wurde von der Auferstehung des HERRN. „Die Liebe hat den Hass überwunden, das Leben hat den Tod besiegt, das Licht hat die Finsternis vertrieben!“, hieß es in der Osteransprache des Papstes 2015. Zumindest bis ins Kinderheim auf Nordstrand ist das Licht bis jetzt leider nicht gekommen. Hier bangen unverändert Kinder und Jugendliche und junge Mütter mit ihren Kindern um ihr Zuhause, ein Teil der Bewohner wurde bereits "verlegt", über anderen schwebt unverändert das Damoklesschwert, selber bald an die Reihe zu kommen. 40 Bewohner hatte das Heim noch im Dezember, jetzt sind es nur noch 26 und die "Entleerung" wird unverändert von der Caritas unter Leitung ihrer Direktorin Angelika Berger vorangetrieben, obwohl noch nicht einmal ein Schließungstermin feststeht.

Forderungen der Bürgerinitiative„Wie ein Möbelstück, das von A nach B verfrachtet wird!“, sind inzwischen viele empörte Stimmen laut geworden. Und viele schütteln inzwischen darüber den Kopf, wie unchristlich die katholische Kirche hier mit „ihren Kindern“ verfährt. Auch Arne Bruhn hat Stimmen wie diese wieder von vorbeikommenden Passanten gehört, während er draußen vor der Tür des Mariendoms stand. „Wollen Sie nicht reingehen?“, fragten manche Passanten. „Es ist doch so kalt hier draußen.“ Aber Arne Bruhn schüttelte mit dem Kopf, denn sein Platz war an diesem Tag dort draußen. Bis 9.30 Uhr dauerte die Andacht – und so lange harrte der tapfere Mann aus und beantwortete die vielen Fragen. „Zu schade, dass ich nicht mehr Handzettel dabei hatte“, sagt Arne Bruhn. „170 Stück hatten längst nicht gereicht.“

„Nach dem Gottesdienst“, erzählt Arne Bruhn, „strömten die Besucher alle an mir vorbei. Fast alle. Nur einer, ein einziger blieb stehen und las sich die Kreuzesaufschrift durch und informierte sich über den Sinn dieser Aktion.“ Bruhn antwortete dem Mann: „Ich stehe hier für die Nächstenliebe, ich stehe hier dafür, dass die Nächstenliebe in dieser Amts-Kirche auch wieder aufersteht – so, wie Jesus heute auferstanden ist!“ Es wurde, so Bruhn, ein sehr anregendes Gespräch! „Auch, wenn es nur einer war, der nach dem Gottesdienst stehen blieb, so ist in dieser Gemeinde noch nicht alles verloren, so lange es Menschen gibt, die sich kümmern, die fragen und – ganz wichtig – denken, reagieren!“ Leider hatte der Bischof keine Zeit für ein Gespräch mit dem alten Herrn, der das Kreuz trug. Dazu hatte er es zu eilig ins Gebäude gegenüber vom Mariendom zu kommen, zum Osterfrühstück.

Und so machte sich Arne Bruhn wieder auf den Heimweg, mit dem schweren Kreuz als Bürde. Wann wird ihm endlich jemand von der katholischen Kirche diese schwere Bürde abnehmen? 76 Jahre alt ist der Unterstützer aus Mooregge, der nicht wegschauen kann, wenn ihm Ungerechtigkeit und durch andere verursachtes Leid von Gott als Aufgabe angetragen wird. Sein besonderes Engagement gilt momentan den Bewohnern und Mitarbeitern der beiden Kinderheime auf Nordstrand und in Henneckenrode, die beide von der Schließung bedroht sind. Dafür hat er bereits Briefe an die Bischöfe in Hildesheim und Hamburg geschickt, in der Hildesheimer Zeitung eine Anzeige geschaltet und Gebete an Klöster verschickt, um die Schwestern um Hilfe zu bitten. Seit einigen Wochen ist der engagierte Bruhn auch Mitglied der  Bürgerinitiative für den Erhalt des Kinderheimes auf Nordstrand.

Seit Amtseinführung des Bischofs Stefan Heße am 14.3.2015 bemühen sich die Mitglieder dieser Bürgerinitiative "Wir sind gegen die Schließung des St. Franziskus-Kinderheimes auf Nordstrand" um einen Termin beim neuen Bischof, dessen Bistum Eigentümer der Immobilie ist. Die Caritas SH unter Leitung von Geschäftsführerin Frau Berger hatte am 27. Januar 2015 mitgeteilt, dass das Heim geschlossen werden soll. Bereits am 4. Februar wurde in der Presse verkündet, dass es mit dem Heimarzt Dr. Krüger einen potenziellen Käufer für das Kinderhaus St. Franziskus gäbe. Dr. Krüger ist unverändert daran interessiert, das Kinderheim MIT den Bewohnern zu retten und hat bereits einen potentiellen Träger. Trotzdem wird das Kinderheim unverändert von der Caritas entleert.

Bereits 1800 Unterschriften gegen die Schließung des Heims auf Nordstrand sind von fleißigen Unterstützern gesammelt worden. Diese sollen dem neuen Bischof zusammen mit den ausgedruckten Gründen aus der Online-Petition auf change.org übergeben werden, in der es ebenfalls bereits über 1900 Unterzeichner gibt. Doch alle Versuche, einen Termin beim Bischof zu erhalten, sind bis jetzt gescheitert, obwohl die Bitten mehrfach schriftlich und telefonisch an das Vorzimmer von Herrn Dr. Heße herangetragen wurden mit der ausdrücklichen Bitte um Weitergabe an den Bischof.

Inzwischen hat Sabine Marya, als Pressesprecherin der Bürgerinitiative, für ein solches Treffen dem Bistum schriftlich folgendes Angebot unterbreitet: Zu einem Treffen mit dem Bischof nebst Begleitung werden aus der Bürgerinitiative mindestens fünf, jedoch maximal zehn Personen dabei sein. Die Presse wird zu diesem gemeinsam Termin eingeladen. Das Treffen findet auf neutralem Boden statt. Ziel dieses gemeinsamen Treffens soll sein: persönliche Übergabe der Unterschriftenlisten und der Petitionsgründe an den Bischof sowie eine von den Mitgliedern gemeinsam verfasste Petition zum Erhalt des Heimes mit folgenden Forderungen:

  • sofort die hektische Verlegung der Bewohner vom St. Franziskus-Kinderheim/ Nordstrand zu stoppen,
  • sofort die bereits verlegten Kinder zurück in ihr Zuhause auf Nordstrand zu verlegen und
  • eine Einigung zum Wohle der Kinder und Jugendlichen und jungen Mütter mit ihren Kindern mit Herrn Dr. Krüger zu erzielen.

Außerdem sollte dieses Treffen genutzt werden für die Beantwortung offener Fragen und einen gemeinsamen Austausch. Aus einem Schreiben von Frau Beck, der Pressesprecherin der Caritas, an Arne Bruhn geht eindeutig hervor, dass die Verantwortlichen des Bistums zuständig sind für das Anliegen der Bürgerinitiative. Dieses Angebot wurde gleichzeitig an die Presse weitergeleitet. Das Bistum wurde um einen zeitnahen schriftlichen Terminvorschlag gebeten, damit dieser dann sofort an die Presse weitergegeben werden kann.

Es ist "kurz vor 12", das wissen alle Beteiligten. Doch auch die beiden anderen Male, als das Heim gerettet werden konnte, war es "kurz vor 12" und das Ruder wurde im letzten Moment herum gerissen, dank dem großen Druck aus der Öffentlichkeit.

Inzwischen hat auch der SSW eine Pressemitteilung mit einer Stellungnahme veröffentlicht: http://www.ltsh.de/presseticker/2015-03/31/13-42-39-548e/PI-VRqIL1SO-ssw.pdf

Homepage der Bürgerinitiative „Wir sind gegen die Schließung des St. Franziskus-Kinderheimes auf Nordstrand“: http://mein-offener-brief.de

PETITION zum Unterschreiben: http://goo.gl/f66KJl

GEBET von Herrn Bruhn, das auf dem Handzettel stand:
HERR, wir bitten DICH mit heißem Herzen:
Gieße DU den Heiligen Geist aus über die Mächtigen der Diözese Hildesheim und des Erzbistums Hamburg, dass sie klar und deutlich ihre christliche Aufgabe erkennen, den Kindern des Kinderheimes Henneckenrode und des St. Franziskus-Heimes auf Nordstrand mit Nächstenliebe, Fürsorge und Beistand zu begegnen und ihnen ihr jetziges Zuhause, ihre Heimat erhalten. Amen

Bild:
Bleiben die Türen christlicher Nächstenliebe den Jugendlichen Bewohnern der Heime auf Nordstrand und in Henneckenrode verschlossen? Arne Bruhn mit seinem Kreuz vor dem Dom kämpft dafür, dass das nicht so ist und die jugendlichen Bewohner bleiben dürfen.