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Nordfriesen wehren sich gegen die drohende Schließung von Kinderheim

am . Veröffentlicht in Aktuelle Nachrichten

Sonnenuntergang auf Nordstrand

Mit einem offenen Brief an die Verantwortlichen machen sich mehrere Nordfriesinnen und Nordfriesen für den Erhalt des St. Franziskus-Kinderheimes auf Nordstrand stark (wir berichteten). – Und sie fragen: Bist du dabei???

Angst und Sorge machen sich breit bei den Betroffenen und Unterstützern: „Was ist, wenn schon alles beschlossene Sache ist, dass das St. Franziskus-Kinderheim auf Nordstrand geschlossen wird und unsere Unterschriften-Sammlung niemand mehr umstimmen kann?“, fragten sich in den letzten Tagen einige. Doch gleichzeitig waren sich alle einig: „Wir geben trotzdem jetzt nicht auf, sondern wir tun alles, was möglich ist, um den Kindern und Jugendlichen ihr Zuhause zu erhalten!“

Über allen hängt das Damoklesschwert der drohenden Schließung. Obwohl kein Termin bekannt ist, weiß jeder: die Zeit drängt. Deshalb startete jetzt die Aktion „Offener Brief“: Alle, die mitmachen wollen, schreiben ab sofort offene Briefe an Adressaten aus dem öffentlichen Leben - mit dem Ziel, die Heimat der Kinder und Jugendlichen und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter zu retten und Fragen zu den Hintergründen zu stellen.
Im Rahmen dieser Aktion werden diese Briefe von den Absendern auch an die Öffentlichkeit weiter geleitet, also z.B. an Print- und Online-Presse, Funk und Fernsehen.
Durch diese Form des öffentlichen Briefes können die Empfänger zu einer öffentlichen Stellungnahme aufgefordert werden, zu einem Umdenken ihrer Entscheidung angeregt werden und diese Aktion kann für die weitere Öffentlichkeitsarbeit der Unterstützer genutzt werden.
Jeder abgeschickte Brief und jede abgeschickte Mail kann in der fb-Gruppe „Offene Briefe - gegen die Kinderheim-Schließung auf Nordstrand“ veröffentlicht werden.  (Link: https://www.facebook.com/groups/988915547804952/) –
Wer nicht bei facebook angemeldet sein möchte, den Brief aber trotzdem in der Gruppe veröffentlichen möchte, kann die Mail dann auch gerne an Sabine Marya schicken zum Einstellen in der Gruppe.

„Wir hoffen, dass sich viele an dieser offener Brief-Aktion beteiligen werden“, sagt die Autorin Sabine Marya, die sich schon seit vielen Jahren für den Kinderschutz und Überlebende von Traumata in der Kindheit engagiert. „Je stärker der Druck aus der Öffentlichkeit wird, desto größer wird die Chance, dass die  Caritas und die katholische Kirche gemeinsam die geplante Schließung nochmals überdenken und stattdessen alles dafür tun, um gemeinsam Mittel und Wege zu finden und zu mobilisieren und damit die Heimat dieser Kinder und Jugendlichen zu retten und sie vor einem neuen Trauma zu bewahren. Um das zu erreichen, brauchen wir jetzt viele, viele aktive Unterstützer.“

Wir wünschen der Aktion ganz viel Erfolg!



Der 1. offene Brief wurde bereits von Sabine Marya abgeschickt:

Offener Brief an

  • den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Herrn Kardinal Reinhard Marx
  • das Katholische Büro, Kommissariat der deutschen Bischöfe
  • z. Hd. Prälat Dr. Karl Jüsten
  • das Erzbistum Hamburg
    z. Hd. Herrn Erzbischof Dr. Stefan Heße  
  • die Caritas Deutschland
    z. Hd. Herrn Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes
    z.Hd. die Vizepräsidentinnen  Dr. Irme Stetter-Karp,
    Schwester Edith-Maria Magar
  • und den Vizepräsidenten Heinz-Josef Kessmann
    z.Hd Pressesprecherin Claudia Beck  

 
Sehr geehrter Herr Kardinal Marx, sehr geehrter Herr Dr.  Jüsten, sehr geehrter Herr  Dr. Heße,  sehr geehrter Herr Dr.  Neher, sehr geehrte Frau Stetter-Karp, sehr geehrte Schwester Edith-Maria Magar,  sehr geehrter Herr  Kessmann, sehr geehrte Frau  Beck,
sehr geehrte Damen und Herren,

Mit einem großen Gefühl der Fassungslosigkeit habe ich den Entschluss aufgenommen, dass der Caritasverband für Schleswig-Holstein das Kinder- und Jugendhaus St. Franziskus auf Nordstrand schließen will und dass das Erzbistum Hamburg als Eigentümer der Immobilie diese Entscheidung unterstützt (Quelle: http://www.erzbistum-hamburg.de/?we_objectID=3880)
In diesem Haus leben Kinder und Jugendliche und junge Mütter, denen hier in familienorientierter Atmosphäre ein Zuhause geboten wird, auch ehemalige Bewohner pflegen zum Teil noch intensive Kontakte mit den dort lebenden Kindern und Jugendlichen.
Für die dort lebenden Kinder und Jugendlichen, die bereits ihre traumatischen Erfahrungen mit sich tragen, wäre es ein erneutes Trauma, aus ihrer Umgebung, von Freunden auf der Insel und aus ihrer jetzigen Heimfamilie heraus gerissen zu werden. Kinder konnten in ihrer inneren Reifung noch nicht genug Krisen-Bewältigungsmöglichkeiten und Stabilität entwickeln und sind dadurch besonders verletzlich.
Wem sollen diese Kinder nun noch vertrauen, wenn man sie aus ihrem Zuhause und weg von den Menschen reißt, die ihnen Heimat und Familie geworden sind? Woher sollen diese Kinder den Mut nehmen, sich erneut auf neue soziale Kontakte und eine Identitätsfindung einzulassen?
Wie sollen sie sich wieder auf neue Kinder und Erwachsene in einer anderen Einrichtung einlassen können, nachdem sie diese Erfahrung machen mussten, dass ihr neues Zuhause und ihr noch zerbrechlicher Halt ihnen weggenommen wurde und die neuen Geschwisterkinder gleich mit dazu?
Der unfreiwillige Verlust von Heimat kann für Kinder ein schweres Trauma sein. Bindungsstörungen und viele andere Fehlentwicklungen können dadurch entstehen. Kinder sind kein Gegenstand, den man bedenkenlos von einem Ort an einen anderen verschieben kann. Hinzu kommt, dass diese Kinder alle bereits ihre eigene schwere Geschichte zu tragen haben, die Anlass war, dass sie eine Heimunterbringung benötigten.Manche der früheren Heimkinder leben heute auf Nordstrand, auch diese beidseitigen Kontakte würden damit abbrechen.
Außerdem wären dann auch die behutsam aufgebauten Kontakte zwischen Mitarbeitern und Bewohnern mit brachialer Gewalt zerstört, eine zusätzliche schlimme Belastung für alle Betroffenen.
Da diese Kinder und Jugendlichen auch in das kommunale Leben der Insel eingebunden sind, würde eine Schließung des Heimes also auch zu einem Verlust dieser sozialen Kontakte und Inhalte der Kinder und Jugendlichen führen, denn es gibt auf Nordstrand keine weitere Einrichtung, die die Bewohner als Einheit bei sich aufnehmen könnte. Alles, was mühsam aufgebaut wurde an Miteinander, wird mit einem Schlag vernichtet.
Die Kinder und Jugendlichen brauchen Sicherheit und Stabilität, um von den seelischen Wunden ihrer Vergangenheit heilen und in ein gesundes Leben gehen zu können.
 
Ich engagiere mich seit vielen Jahren für den Kinderschutz und für Überlebende von Traumata. Seit kurzem bin ich auch Mitglied der Unterstützer-Gruppe „Wir sind gegen die Schließung auf Nordstrand“ auf facebook, in der wir unsere Solidarität mit den Betroffenen öffentlich zeigen. Ich habe auch die momentan noch laufende Petition auf change.org unterschrieben, die sich für einen Erhalt des Heimes einsetzt.
Außerdem haben wir eine offene Gruppe auf facebook gegründet, auf der wir ab sofort alle offenen Briefe zur geplanten Schließung und die Antworten darauf veröffentlichen: https://www.facebook.com/groups/988915547804952/ - Dort werde ich auch diesen Brief an Sie veröffentlichen. Außerdem geht dieser offene Brief an verschiedene Print- und Online-Medien.
Selbstverständlich veröffentliche ich Ihre Antwort auf meinen Brief dann in unserer Gruppe auf facebook.

Zum Wohl und zum Schutz dieser Kinder bitte ich Sie, die geplante Schließung nochmals zu überdenken und Mittel und Wege zu finden und zu mobilisieren, die Heimat dieser Kinder zu retten.
Kinder und Jugendliche brauchen ein sicheres und verlässliches Zuhause. Bitte, lassen sie diese Kinder, die in Ihrer Obhut sind, nicht im Stich, sondern leben Sie Ihre christliche Nächstenliebe auch bei diesen Kindern. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Marya, Autorin aus Nordfriesland