Drucken

Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing gegründet

am . Veröffentlicht in Aktuelle Nachrichten

Symbolik: Blick durch eine Gittertür auf eine sehr kleinen Innenhof und ein schmales, vergittertes Fenster.

Die KZ-Gedenkstätte in Schwesing beschäftigt Politik und Verwaltung in Nordfriesland schon geraume Zeit. Nachdem die schleswig-holsteinische Kultusministerin Anke Spoorendonk eine Förderung dieses wichtigen Mahnmals verweigert hat, hat sich nun der "Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing" gegründet. Wie wichtig es ist für die Zukunft aus der Vergangenheit zu lernen, zeigen die jüngsten rechtsradikalen Vorfälle in Bredstedt und Westerland.

Die KZ-Gedenkstätte Schwesing ist ein wichtiges Mahnmal, das an den Nazi-Terror in Nordfriesland erinnert. Lange Zeit wurde dieses traurige Kapitel nordfriesischer Geschichte totgeschwiegen. Erst auf der Gedenkveranstaltung am 30. Januar 1983 wurde in Husum öffentlich von dem Lager berichtet. 1987 wurde die Gedenkstätte eingeweiht. Träger ist der Kreis Nordfriesland. Das Ziel ist klar: Nordfriesland will sich in würdiger Art und Weise seiner Vergangenheit stellen und der Opfer des Nazi-Terrors gedenken. Doch wie so oft fehlt es am Geld aber auch an engagierten Menschen, um dieses Ziel umzusetzen. Der "Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing" hat sich am 23. Mai gegründet, um unter anderen diese Lücken zu schließen.

Angesichts der jüngsten rechtsextremen Vorfälle in Nordfriesland erscheint es sehr wichtig zu sein, dass die Nordfriesen aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen. Erst am 9. Mai konnten Beamte vom Polizeirevier Husum und von der Polizeistation Bredstedt im Bereich der B5 bei Hattstedt zwei VW kontrollieren, deren Insassen im Verdacht stehen, für unzählige Farbschmierereien im Raum Bredstedt verantwortlich zu sein. Mit den gefundenen Utensilien waren drei Tage zuvor verschiedene Objekte mit mindestens 25 Farbschmierereien, davon zehn Hakenkreuzen, verunstaltet worden. Am 29 Mai zeigten couragierte Zeugen an, dass eine Gruppe Männer in der Friedrichstraße in Westerland konkrete rechtsextreme Parolen lautstark und gemeinschaftlich von sich gab. Zeugen filmten das Gebären mit einem Smartphone. Die Tatverdächtigen wurden am Abend, begleitet von Diensthundeführern und Beamten der Bundespolizei, mit dem Zug von der Insel gebracht.

Feld der Toten: Die Stelen in der KZ-Gedenkstätte Schwesing erinnern an die vielen Opfer, die hier ihr Leben ließen.Der Verein "Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Husum-Schwesing" hat sich die Förderung der Erforschung und Vermittlung der Geschichte des KZ Husum-Schwesing zur Aufgabe gesetzt. Dies soll laut Satzung dadurch geschehen, „dass die Gedenkstätte als Mahnstätte in Nordfriesland und darüber hinaus bekannt und dementsprechend gefördert wird. Dazu bedarf es einer angemessenen baulichen und pädagogischen Ausstattung sowie entsprechender Veranstaltungen, Seminare und For-schungsvorhaben.“ Weiter heißt es in der Satzung: „Der Verein wendet sich gegen Neonazismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus und fördert das demokratische Bewusstsein. Eine Zusammenarbeit insbesondere mit dänischen und niederländischen Initiativen wird angestrebt.“

Die Formalien der Vereinsgründung wurden mit Erfolg erledigt. Am 23. Mai trafen sich zwanzig Interessierte zur Gründung des Freundeskreises KZ Gedenkstätte Husum-Schwesing. Zur Vorsitzenden wurde einstimmig die frühere Hamburger Bischöfin Maria Jepsen gewählt. Sie war von 1977 bis 1989 Pastorin in Nordfriesland und kam mit dem Eintritt in den Ruhestand 2010 nach Nordfriesland zurück. Schriftführer wurde der in Husum praktizierende Allgemeinmediziner Dr. Stephan Bauer. Das Amt des Kassenwarts übernahm der aus Helgoland stammende und auf Nordstrand lebende Rentner Rolf Burgard. Zu Beisitzern wurden einstimmig der Kreistagsabgeordnete Bernd Facklam (SPD) und der Husumer Stadtverordnete Peter Knöfler (SSW) gewählt.
Der Verein soll nun ins Register beim Amtsgericht Husum eingetragen werden. Die nächsten öffentlichen Veranstaltungen sind zum Antikriegstag am 1. September 2014 geplant. Der Freundeskreis will sich an der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) auf dem Lagergelände beteiligen. Abends ist wieder eine Vortragsveranstaltung im Husumer Rathaus vorgesehen. Der Verein will für eine Anlaufstelle für Besucher der KZ-Gedenkstätte eintreten. Es sollen nach Möglichkeit Führungen für Schulklassen und andere Interessierte organisiert werden. Dies schließt auch die Bereitstellung entsprechender Materialien ein.

Der Vorstand wurde beauftragt, sich um eine Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der KZ-Gedenkstätte Ladelund zu bemühen. Zudem sollen Gespräche mit den Parteien des Nordfriesischen Kreistags und der Kultusministerin geführt werden. Der Beitritt zum Verein steht allen Interessierten offen.

Bilder:

  1. Wie müssen sich die Inhaftierten gefühlt haben? Die Symbolik ist klar. Im Hintergrund das schmale Fenster gibt den Blick auf ein raumfüllendes, aus Beton gegossenes, Modell des Lagers frei. Die Betonblöcke erinnern stark an Särge.
  2. Feld der Toten: Die Stelen in der KZ-Gedenkstätte Schwesing erinnern an die vielen Opfer, die hier ihr Leben ließen. (Zum vergrößern bitte auf das Bild klicken)